Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts beim Pferd


Koliken, Magengeschwüre, Durchfall und Parasitenbefall gehören zu den häufigsten Erkrankungen des Verdauungsapparates. Ein umfassendes diagnostisches Vorgehen klärt Ursache und passende Therapie.

Der Verdauungsapparat des Pferdes ist ein hochspezialisiertes, aber auch sehr anfälliges System. Störungen in diesem Bereich können sich durch Koliken, Durchfall, Kotwasser, Gewichtsverlust oder Magengeschwüre äußern und das Wohlbefinden Ihres Pferdes stark beeinträchtigen.

Die häufigsten Gründe für eine magen-darm-spezifische Untersuchung sind:

  • Koliksymptome (starke Bauchschmerzen, Unruhe, Wälzen, Schwitzen)
  • Häufiges Gähnen, Flehmen oder Leerkauen
  • Durchfall oder veränderte Kotkonsistenz (wiederkehrendes Kotwasser)
  • Appetitlosigkeit oder Gewichtsverlust
  • Wiederkehrendes Aufblähen oder Bauchkrämpfe
  • Verhaltensänderungen oder Unrittigkeit
  • Leistungsinsuffizienz
  • Chronischer Parasitenbefall
  • Schlechte Fell- und/oder Hufhornqualität
  • Allergien (Nesselsucht, etc.)

Zur Abklärung von Magen-Darm-Erkrankungen setzen wir auf ein umfassendes diagnostisches Vorgehen:

  • Anamnese & Klinische Untersuchung: Befragung zu Fütterung, Haltung, Vorerkrankungen und Symptomen. Körperliche Untersuchung (Herzfrequenz, Schleimhautfarbe, Darmgeräusche, Bauchumfang).
  • Rektale Untersuchung: Abtasten des Darms über den Mastdarm zur Erkennung von Verschlüssen, Verlagerungen oder Fremdkörpern.
  • Nasenschlundsonde: Ableiten von Magensaft oder Gasen bei Aufblähungen oder Magenüberladung.
  • Laboruntersuchungen:
    • Blutanalyse: Entzündungsmarker, Elektrolyte, Hämatologie und Blutchemie
    • Kotuntersuchung: Parasitologische Analyse (Wurmeier, Larven), Bakterienkultur (z. B. bei Salmonellenverdacht), virologische Untersuchung (z. B. Equines Coronavirus)
  • Bildgebende Verfahren:
    • Ultraschall: Beurteilung von Darmwanddicke, Flüssigkeitsansammlungen und Darmmotilität
    • Endoskopie (Gastroskopie): Magenspiegelung zur Diagnose von Magengeschwüren, Tumoren oder Entzündungen.
  • Spezielle Untersuchungen (falls nötig):
    • Darmbiopsie bei Verdacht auf chronisch-entzündliche Darmerkrankungen.
    • Röntgen oder Kontrastmitteluntersuchungen bei Verdacht auf Fremdkörper oder Darmverschlüsse.

Die Behandlung von Magen-Darm-Erkrankungen hängt von der Ursache und Schwere ab:

  • Koliken:
    • Konservativ: Schmerzmittel, Infusionen, Nasenschlundsonde zur Flüssigkeits- und Abführmittelsubstitution, Bewegungsprogramm.
    • Chirurgisch: Bei Darmverdrehungen, -verlagerungen oder Verschlüssen ist oft eine Notfall-Kolik-OP (Laparotomie) nötig.
  • Magengeschwüre:
    • Je nach Lokalisation der Geschwüre kommen unterschiedliche Protokolle zum Einsatz. Zu den üblich verabreichten Medikamenten gehören: Protonenpumpenhemmer (z. B. Omeprazol), oder andere Medikamente wie Schleimhautprotektiva (z. B. Sucralfat), oder Prostaglandin-Analoga (z. B. Misoprostol).
    • Fütterungsanpassung: Häufige kleine Mahlzeiten, viel Raufutter, Vermeidung von Stress.
    • Verlaufskontrolle: Regelmäßige Gastroskopien zur Überprüfung des Therapieerfolges und Heilungsverlaufs.
  • Durchfallerkrankungen:
    • Infektiös: Antibiotika (bei bakteriellen Erregern), Elektrolytlösungen.
    • Parasitär: Gezielte Entwurmung nach Kotuntersuchung.
    • Chronisch: Spezielle Diäten, Kottransfaunation zur Stabilisierung der Darmflora.
  • Parasitenbefall:
    • Gezielte Entwurmung basierend auf Kotproben (keine pauschale, prophylaktische Wurmkur!) nach neuesten Erkenntnissen.
    • Weidemanagement: Regelmäßiges Abweiden, Kotentfernung, Stallmanagement

Vorbeugend können Sie durch folgende Maßnahmen das Risiko für Magen-Darm-Erkrankungen reduzieren:

  • Artgerechte Fütterung: Viel Raufutter vor Kraftfutter, wenig Kraftfutter, keine plötzlichen Futterumstellungen.
  • Stressminimierung: Konsequentes Management, soziale Stabilität im Herdenverband.
  • Regelmäßige Kotkontrollen: Parasitenmanagement nach Bedarf.
  • Bewegung: Ausreichend Bewegung fördert die Darmtätigkeit.
  • Ausreichende Wasseraufnahme gewährleisten: Immer Zugang zu sauberem (im Winter auch warmen) Wasser.

Koliken

Koliken sind Notfälle und können Pferde jeden Alters treffen. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von weniger gefährlichen Bauchkrämpfen bis hin zu lebensbedrohlichen Darmverlagerungen oder -verdrehungen.

Mögliche Auslöser:

  • Futterbedingte Koliken: Schimmeliges Futter, plötzliche Futterumstellung, zu viel Kraftfutter.
  • Verschlüsse: Durch Sand, Steine oder Fremdkörper im Darm.
  • Verdrehungen oder Verlagerungen: z. B. Darmverschlingung oder eingeklemmter Darm.
  • Gasansammlungen: Aufblähung des Darms durch Gärungsprozesse (z. B. bei zu viel frischem Gras oder Obst).
  • Vergiftungen: Durch giftige Pflanzen, Schimmelpilzgifte oder Chemikalien.
  • Parasitenbefall: Starke Wurmbelastung kann zu Darmverstopfungen und Darmentzündungen führen.

Typische Symptome:

  • Leichte Kolik: Unruhe, Scharren, häufiges Niederlegen und Aufstehen, Appetitlosigkeit.
  • Schwere Kolik: Heftiges Wälzen, Schwitzen, erhöhte Herzfrequenz, blasse Schleimhäute, Notfall!

Magengeschwüre (Equines Magengeschwürsyndrom, EGUS)

Magengeschwüre sind beim Pferd weit verbreitet, insbesondere bei Leistungspferden, Fohlen und Pferden unter Stress. Die Symptome können sehr vielfältig sein.

Mögliche Auslöser:

  • Stress: Leistungssport, Transport, Turniere, Stallwechsel oder soziale Spannungen.
  • Fütterungsmanagement: Lange Fresspausen, zu viel Kraftfutter, zu wenig Raufutter.
  • Medikamente: Langfristige Gabe von Schmerzmitteln (NSAIDs).

Typische Symptome:

  • Leistungsabfall (z. B. bei Sportpferden)
  • Appetitlosigkeit oder wählerisches Fressen
  • Abmagerung trotz ausreichender Fütterung
  • Verhaltensänderungen (Aggressivität, Unruhe, Apathie)
  • Wiederkehrende leichte Koliken
  • Zähneknirschen (Bruxismus)

Durchfallerkrankungen

Durchfall kann akut oder chronisch auftreten und verschiedene Ursachen haben.

Mögliche Auslöser:

  • Infektionen: Bakterien, Viren oder Parasiten.
  • Futtermittelunverträglichkeiten: Plötzliche Futterumstellung, verdorbenes Futter.
  • Stress oder Antibiotika-Gabe: Störung der Darmflora und des Mikrobioms
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED): Autoimmunreaktionen oder allergische Prozesse.

Typische Symptome:

  • Wässriger oder breiiger Kot
  • Häufiger Kotabsatz
  • Blut oder Schleim im Kot
  • Fieber, Apathie, Gewichtsverlust (bei schweren Verläufen)

Parasitenbefall

Würmer und andere innere Parasiten können den Magen-Darm-Trakt schädigen und zu Koliken, Durchfall oder Leistungsabfall führen.

Häufige Parasiten beim Pferd:

  • Kleine Strongyliden (Cyathostominae): Häufigster Darmparasit, kann zu larvaler Zyathostominose (massiver Larvenbefall der Darmwand) und somit zu Darmentzündungen führen.
  • Spulwürmer (Ascaris equorum): Betrifft vor allem Fohlen, kann zu Darmverschluss und Darmentzündungen führen.
  • Bandwürmer (Anoplocephala): Können Darmverlagerungen begünstigen.
  • Magendasseln (Gasterophilus): Larven setzen sich in der Magenschleimhaut fest und verursachen Reizungen und bei sensiblen Pferden können sie Geschwüre begünstigen.

Typische Symptome:

  • Gewichtsverlust trotz gutem Appetit
  • Stumpfes Fell, strukturierter Bauch
  • Wiederkehrender Durchfall oder Koliken
  • Juckreiz am After (bei Oxyuren/Schweifrübe)
  • Tendenz zu anderen Erkrankungen (supprimiertes Immunsystem)

Sprechen Sie uns gerne an, sollte Ihr Pferd Anzeichen einer Magen-Darm-Erkrankung zeigen. Unsere Spezialisten für Innere Medizin stehen Ihnen mit modernster Diagnostik und Therapie zur Seite – von der Notfallversorgung bei Koliken bis zur langfristigen Betreuung chronischer Erkrankungen. Je schneller gehandelt wird, desto besser ist die Prognose!